Bisher war‘s immer so: Ein Spieler wälzt sich am Boden, der Schiedsrichter hat aber kein Foul gesehen und lässt weiterlaufen, weshalb die Mannschaft, die gerade in Ballbesitz ist, das Spielgerät ins Aus kickt, um eine Behandlung zu ermöglichen. Anschließend wirft das zum Einwurf berechtigte Team den Ball zum Gegner zurück und bekommt dafür Applaus.
Das ist jetzt anders, und das erste Opfer dieser Uefa-Neuregelung, die sich noch nicht bei allen herumgesprochen hatte, war Petri Pasanen im Champions League-Hinspiel seiner Bremer gegen Lazio Rom:
Daniel Jensen hatte verletzt auf dem Rasen gelegen, Lazios Christian Manfredini aber den Ball nicht den Gepflogenheiten entsprechend ins Aus gespielt, sondern einen schnellen Gegenangriff eingeleitet, als Werder auf Fairplay gewartet hatte. In der Folge stoppte Pasanen den Konter per Bodycheck gegen Valon Behrami und bekam dafür eine Verwarnung.
Denn nicht die Spieler sollen nun bei der Verletzung eines Kollegen oder Gegners die Partie unterbrechen, indem sie den Ball ins Aus spielen, sondern der Schiedsrichter, auf dessen Pfiff sie zu warten haben. Begründung der Uefa: In der Vergangenheit seien zu oft Blessuren vorgetäuscht worden, um Zeit zu schinden. Das aber widerspreche dem Gedanken des Fairplay.
Dass es noch einen anderen Grund hätte geben können, um die bestehende Praxis zu ändern, zeigt eine Rückblende auf den letzten Spieltag der Saison 1995/96: Der 1. FC Kaiserslautern trat bei Bayer Leverkusen an und musste gewinnen, um nicht abzusteigen; Bayer reichte ein Remis für den Klassenerhalt. Lautern ging in der 58. Minute durch Pavel Kuka in Führung; wäre es dabei geblieben, hätte Leverkusen den Gang in die Zweite Liga antreten müssen.
Doch dann kam die 82. Minute: Ein Leverkusener verletzte sich, weshalb die Pfälzer den Ball ins Seitenaus spielten. Nach der Behandlung warfen die Gastgeber das Leder jedoch nicht zum Gegner zurück, sondern nach vorne. Markus Münch traf gegen konsternierte Kaiserslauterer zum 1:1, und Bayer blieb erstklassig. Anschließend musste Rudi Völler vor laufenden Kameras den am Boden zerstörten Andreas Brehme trösten.
Solche Szenen sind jetzt nicht mehr möglich, und auch Spielverzögerungen durch vorgetäuschte Verletzungen wird es nicht mehr geben. Das mag im Sinne des Fairplay sein. Aber irgendwie wird die Welt auch wieder ärmer dadurch.
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