Die politische Dimension des Qualifikationsspiels für die U-21-Europameisterschaft 2009 zwischen Israel und Deutschland wurde bereits ausführlich bei Lizas Welt dargestellt. Und für den Spielbericht ist der Kicker zuständig. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle mit einigen soziologischen Randbeobachtungen zu den Geschehnissen an diesem sonnigen Nachmittag in Tel Aviv bescheiden.

Fußball in Israel, das heißt vor allem: Sonnenblumenkernekauen.

Dabei wird jedoch nur respektiert, wer die richtige Technik beherrscht: Es gilt, die Samenhüllen zwischen Ober- und Unterkiefer zu stecken, dann mit den Zähnen freihändig zu knacken, mit der Zunge den Kern zu entnehmen und schließlich die Hülle vor sich auf den Boden zu spucken. All das innerhalb von Sekundenbruchteilen. Wer dies meistert, darf es auch gerne während der Hymne tun.
Experten unter sich.


Auch als Reaktion auf eine Großchance des eigenen Teams ist Sonnenblumenkernkauen durchaus adäquat.
Die absolute Königsform: Kerneknacken und Telefonieren gleichzeitig.

Der Israeli an sich ist durchaus temperamentvoll und mitunter aufbrausend. So brüllte in dieser Szene ein aufgebrachter Anhänger der Männer in blau-weiß: „Deutscher Schauspieler, steh auf!“ Der Fan verstummte jedoch abrupt, als ihm sein aufmerksamer Sitznachbar zuflüsterte: „Das ist einer von uns.“

Generell stellte sich das Publikum jedoch als durchaus angenehme Gesellschaft heraus. Selbst wildeste Hooligans…

…gaben sich bei näherem Besehen handzahm.

Für jene Leser, die nun eine Reise zum nächsten Länderspiel im National-Stadion von Ramat Gan planen, hier noch eine kleine Hebräisch-Lektion: „Schaar!“ (in diesem Moment zum Bedauern von Manuel Neuer nach dem 2:1 auf dem Kopf tanzend) heißt: „Tooor!“

Toller Beitrag. Das mach ich gleich nach - Sonnenblumenkernen knabbern - beim nächsten Länderspiel der Schweizer Nationalmannschaft. Mal schauen, was für Lob ich ernte